Atem und Bewusstsein

Willkommen bei Atmung und Bewusstsein!

Hintergrund

Der Atem wird in vielen traditionellen Lehren und Praktiken mit einer besonderen, lebensspendenden Kraft in Verbindung gebracht. Man denke an den Lebensodem in der biblischen Schöpfungsgeschichte oder an das Prana in der indisch-vedischen Kultur mit seinen im Prana-Yoga praktizierten Atemtechniken. So können durch verschiedene Atemmethoden Vitalität und Lebenskraft gesteigert werden, aber auch besondere Bewusstseinszustände gefördert werden, wie auch Studien zeigen.

Mit dem holotropen Atmen hat Stanislav Grof in den 1970er Jahren einen besonders kraftvollen Atemprozess entwickelt, durch welchen tiefe emotionale, transpersonale und spirituelle Bewusstseinserfahrungen möglich sind. Wie also geht das? Beim holotropen Atmen wird über einen Zeitraum von ca. 1 Stunde ein schnelles, tiefes und verbundenes Atmen praktiziert wird, d.h. es gibt zwischen dem Ein- und Ausatmen keine Atempausen. Dieser Prozess wird meist mit rhythmisch-evozierender Musik begleitet. Er kann einzeln oder in einer Gruppe durchgeführt werden, es sollte aber stets auf eine professionelle Begleitung geachtet werden. So kann das holotrope Atmen auch therapeutisch zur Bearbeitung von Traumata genutzt werden, aber auch für jedermann/jedefrau stellt es eine außergewöhnliche Methode der Selbsterfahrung und Selbsterforschung dar.

Auch in der Meditation können Atemtechniken hilfreich sein, wobei hier meist eine entschleunigte Atmung praktiziert wird. Da die Entschleunigung auch des Atems gerade in unserer schnelllebigen, hektischen Zeit förderlich sein könnte, haben wir uns daher die Effekte einer verlangsamten Atmung genauer angeschaut.

Die 10-Sekunden-Resonanz

Bekannt ist, dass die sogenannte Herzratenvariabilität mit langsamerer Atmung zunimmt. Was bedeutet das? Unter der Herzratenvariabilität versteht man die natürliche Schwankung der Herzrate mit der Atmung. So werden beim Einatmen die Pulsschläge schneller und beim Ausatmen wieder langsamer. Diese Schwankung ist bei einer entspannten und gesunden Person stark ausgeprägt, nimmt aber bei Stress deutlich ab. Damit ist eine hohe Schwankung auch ein Maß für die parasympathische Aktivierung und damit der Entspannung. Und bei verlangsamter Atmung nimmt diese Herzratenvariabilität, auch respiratorische Sinusarrhythmie genannt, zu.

Was aber hat das mit dem Bewusstsein zu tun? Hier sei darauf hingewiesen, dass diese Prozesse in einem engen Zusammenhang mit dem Gehirn stehen, der vor allem über die Hirnstammregion der Formatio Reticularis hergestellt wird. Diese wiederum steht in Verbindung mit vielen subkortikalen Strukturen des limbischen Systems, welches seinerseits mit vielen emotionalen Erfahrungen und Erlebnissen in Verbindung steht. Damit ist unsere Befindlichkeit und unser Erleben keinesfalls einfach ein Gehirnprozess, sondern es ist ein ganzkörperliches Geschehen, bei dem auch Prozesse wie die Atmung beteiligt sind.

Die Studie

In einer Studie haben wir uns angeschaut, welchen Einfluss verschiedene Atemfrequenzen auf die Gehirnaktivität haben. Dazu wurden bei den Teilnehmenden sowohl die elektrischen Gehirnsignale gemessen, als auch das EKG, Atmung und andere physiologische Maße. Wir haben uns im EEG auf die langsamen Potenzial (Slow Cortical Potentials, SCP) konzentriert. Die Teilnehmenden wurden gebeten, im Takt eines sich auf und abwärtsbewegenden Balkens zu atmen und dies geschah jeweils 7 Minuten lang für eine Atemfrequenz von 6 Atemzüge/Minute, 8, 10, 12 und 14 Atemzüge/Minute. Die Ausatemphase war dabei immer länger als die Einatemphase.  Nach jedem Durchgang sollten sie jeweils eine Einschätzung über ihr Befinden geben. Im Ergebnis zeigte sich dann auch, dass die langsameren Atemzyklen als entspannender wahrgenommen wurden.

Schauen wir uns dies nun in der Kurve der langsamen Hirnpotenziale an. Hier zeigt sich kaum eine Variation in den 6 Sekundenphasen, wohingegen eine maximale Schwingung synchron zur Atmung bei 10 Sekunden pro Atemzug. Dies bedeutet, dass wenn wir mit ungefähr 10 Sekunden pro Atemzug atmen, sich in unserem Körper eine Resonanz zwischen Atmung, Herzrate, langsamen Hirnpotenzialen und noch einem weiteren Rhythmus der Blutdruckregulation, der Baroreflexsensitivität, einstellt, die ebenfalls diese Frequenz aufweist.

Mit diesen Ergebnissen haben wir begonnen, mit der 10-Sekundenatmung zu experimentieren, um zu schauen, welche bewusstseinsverändernden Prozesse mit dieser Methode möglich sind. Eine besondere Methode, die zu sehr tiefen Erfahrungen führen kann, lässt sich mit großen Gongs erzielen. Dabei wird alle 10 Sekunden ein Gong angespielt, in dessen Impuls man hineinatmen kann und in dessen Ausklingen man wieder mit ausatmen kann. Wichtig ist auch hier wieder ein tiefes Atmen ohne Atempause. Dieser Vorgang kann, je nach dem zwischen 20 Minuten oder auch länger als eine Stunde wiederholt werden.

Der Prozess für Zuhause auf CD

Mit diesen Hintergrundinformationen zur gongbegleiteten verlangsamten Tiefenatmung möchte ich Sie einladen, sich selbst auf diesen Prozess einzulassen und sich dem Erleben hinzugeben. Um diesen transformierenden Bewusstseinsprozess selbst erleben zu können, haben wir eine Doppel-CD produziert, die per Mail unter atem@bewusstseinswissenschaften.net bestellt werden kann.

Ein Projekt von Prof. Dr. Thilo Hinterberger in Kooperation mit Rhythmuswelt Regensburg.